Euro-Office: Endlich eine europäische Alternative zu Microsoft Office?

Ein von Ionos und Nextcloud angeführtes Konsortium arbeitet an einer eigenen Office-Suite als Alternative zu Microsoft Office. Das Projekt könnte eine wichtige Lücke in der europäischen Software-Landschaft schließen.

Euro-Office: Endlich eine europäische Alternative zu Microsoft Office?
Bild: Technologist

Eine Allianz europäischer Technologieunternehmen hat in Berlin eine neue Office-Suite vorgestellt, die als Alternative zu Microsoft Office und anderen Office-Lösungen positioniert wird. Unter dem Projektnamen „Euro-Office“ entwickeln unter anderem Ionos und Nextcloud eine Software, die insbesondere für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gedacht ist. Ziel ist es, eine unabhängige und vollständig kompatible Office-Umgebung zu schaffen.

Technische Grundlage ist die Open-Source-Software OnlyOffice. Sie läuft vollständig im Browser und bietet Anwendungen für Textverarbeitung, Tabellen und Präsentationen. Die Entwickler setzen auf hohe Kompatibilität mit bestehenden Microsoft-Formaten. Gleichzeitig soll die moderne Architektur Vorteile gegenüber etablierten Alternativen wie LibreOffice oder OpenOffice bieten, die technisch als stark veraltet gelten.

Als politisch sensibel gilt die Herkunft der Softwarebasis: Das Entwicklerunternehmen von OnlyOffice hat seinen Sitz zwar in Lettland, ist jedoch mit einem russischen Mutterkonzern verbunden. Infolge der EU-Sanktionen war eine Nutzung der kommerziellen Version für europäische Organisationen deshalb aktuell nicht mehr möglich. Durch die Übernahme der Codebasis will das europäische Konsortium dieses Problem lösen. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen wurde der Quellcode außerdem umfassend geprüft und angepasst. Sicherheitsbedenken aufgrund der ursprünglichen Eigentümerstruktur bestünden daher nicht mehr.

Hinter „Euro-Office“ steht eine breite europäische Allianz aus Ionos, Nextcloud, EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und bTactic. Eine erste technische Vorschau ist bereits verfügbar, eine stabile Version soll im Sommer folgen. Für den Erfolg des Projekts wird entscheidend sein, ob die Software technisch konkurrenzfähig ist und bei zentralen Themen wie Kollaborations- oder KI-Features mit bestehenden Angeboten mithalten kann.