Europäische Alternativen zu US-amerikanischen Hyperscalern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud galten lange als nicht konkurrenzfähig. Wer Performance, Skalierung und globale Infrastruktur brauchte, landete fast automatisch bei den US-Anbietern. Doch eine neue Studie stellt dieses Narrativ infrage. Die in Berlin ansässige Innovate Europe Foundation hat nachgerechnet: Ein europäischer Technologie-Stack aus lokaler Cloud-Infrastruktur und Open-Source-Software kann die Gesamtkosten im Vergleich zu US-Hyperscalern um mehr als 60 Prozent senken – bei vergleichbarer Leistungsfähigkeit.
Für den Vergleich nutzten die Autoren kein theoretisches Szenario, sondern ein konkretes Referenzmodell. Angenommen wurde eine typische mittelständische Unternehmensumgebung mit 1.000 Nutzern: zehn virtuelle Maschinen mit jeweils 8 vCPU und 32 GB RAM im Dauerbetrieb, 2 Terabyte Blockspeicher, 1 Terabyte Objektspeicher, 5 Terabyte monatlicher Datenverkehr nach außen sowie Standardkomponenten wie Load Balancer und öffentliche IP-Adressen. Dieses Setup bildet laut Studie klassische Workloads wie CRM, ERP, Kollaboration und Dokumentenmanagement ab – also genau die Systeme, die in vielen europäischen Firmen täglich laufen.
Auf europäischer Seite kombinierten die Forscher Infrastruktur des deutschen Anbieters IONOS mit der Open-Source-Kollaborationsplattform Nextcloud. Während IONOS Compute, Storage und Netzwerk bereitstellt, übernimmt Nextcloud Funktionen wie Dateiablage, Teilen, Kalender und Zusammenarbeit. Ergänzt wurde der Stack um Linux- bzw. Ubuntu-Support für Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Das Ergebnis: deutlich niedrigere Infrastrukturpreise, geringere Egress-Kosten und transparente Lizenzmodelle. In Summe kommt die Studie so auf einen Bruchteil der jährlichen Kosten vergleichbarer Setups bei den US-Plattformen – und liefert damit ein Argument, das über Souveränität hinausgeht: Der sogenannte EuroStack rechnet sich auch wirtschaftlich.