Fast jede bargeldlose Zahlung in Europa läuft heute über amerikanische Netzwerke. Ob im Laden, im Online-Shop oder per Smartphone: Meist stecken Visa, Mastercard oder PayPal dahinter. Entsprechend fließen auch Transaktionsdaten regelmäßig ins Ausland. Für Politik und Banken ist das längst mehr als ein Komfortthema. Es geht um Kontrolle, Resilienz und digitale Souveränität.
Genau hier setzt Wero an. Der von der European Payments Initiative entwickelte Dienst verbindet nationale Systeme und nutzt Sepa-Instant-Überweisungen für schnelle Zahlungen per Telefonnummer oder App. Bislang wurden bereits mehr als 100 Millionen Transaktionen über die Plattform abgewickelt. Immer mehr Banken machen den Service für ihre Kunden verfügbar – darunter die Deutsche Bank mit ihrer Marke Postbank, Sparkassen und Volksbanken sowie die Neobank N26. Jüngst hat sich auch die Commerzbank angeschlossen. Ziel ist ein paneuropäisches Netzwerk, das vom Smartphone-zu-Smartphone-Transfer bis zum Online-Checkout alles abdeckt – ohne Umweg über US-Anbieter.
Unterstützung kommt auch aus der Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank sieht Zahlungsverkehr zunehmend als kritische Infrastruktur. Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert auch Wertschöpfung und Geschäftsmodelle. Wero soll deshalb nicht nur günstiger sein, sondern strategische Abhängigkeiten reduzieren. Für viele Banken ist das ein starkes Argument, nach anfänglichem Zögern doch einzusteigen.
Noch steht Wero am Anfang. Händlerakzeptanz, Nutzererlebnis und Reichweite müssen mit etablierten Angeboten mithalten. Doch erstmals wirkt der europäische Ansatz realistisch skalierbar. Wenn genügend Institute und Shops mitziehen, könnte aus dem politischen Projekt ein echter Wettbewerber werden. Bereits heute können nach Angaben von Wero mehr als 75 Prozent der privaten Bankkunden in Deutschland, Frankreich und Belgien den Service nutzen.