Ob Halbleiter, Cloud-Dienste oder Künstliche Intelligenz: 96 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen digitale Technologien und Dienstleistungen aus dem Ausland. Gleichzeitig halten 94 Prozent Deutschland bei digitalen Technologien für stark oder eher abhängig von anderen Ländern. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten hervor, die anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung veröffentlicht wurde. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) erwarten, dass die Abhängigkeit in den kommenden fünf Jahren weiter zunimmt.
Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit von China und den USA. 88 Prozent der Unternehmen, die digitale Technologien und Leistungen importieren, sehen sich von China abhängig, bei den USA sind es 87 Prozent. Zugleich wächst die Sorge über die damit verbundenen Risiken. 79 Prozent der deutschen Unternehmen betrachten die digitale Abhängigkeit von China mit Sorge, gegenüber 69 Prozent im Jahr 2024. Noch deutlicher fällt der Anstieg bei den USA aus: Während sich 2024 erst 38 Prozent der Unternehmen Sorgen über die Abhängigkeit von US-Technologien machten, sind es inzwischen 73 Prozent.
Wie verwundbar die deutsche Wirtschaft bei einem Ausfall internationaler Technologieimporte wäre, zeigt eine weitere Zahl: Nach eigener Einschätzung könnten die befragten Unternehmen durchschnittlich 16 Monate ohne entsprechende Lieferungen und Dienstleistungen auskommen. Dabei wären nicht nur die IT-Abteilungen betroffen. 93 Prozent der importierenden Unternehmen erwarten Auswirkungen auf ihre Produktion beziehungsweise Leistungserbringung, 91 Prozent auf Vertrieb und Verkauf und 87 Prozent auf ihre Logistik und Lieferketten. Immerhin hat sich die geschätzte Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert: 2025 lag sie noch bei 14 Monaten.
Die Unternehmen versuchen zunehmend, ihre Risiken zu begrenzen. 44 Prozent der importierenden Unternehmen setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa, 41 Prozent bauen größere Vorräte wichtiger Komponenten auf und 40 Prozent bereiten sich auf einen möglichen Wechsel von Anbietern und Systemen vor. Allerdings sehen 68 Prozent der Unternehmen für bestehende Abhängigkeiten von ausländischen Geschäftspartnern keine Alternative. Entsprechend groß sind die Erwartungen an die Politik: Jeweils 97 Prozent der befragten Unternehmen fordern mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien und eine dringende Stärkung der digitalen Souveränität Deutschlands. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont, dass es dabei nicht um Abschottung gehe, sondern darum, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und auch in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.